Dumpfer Klang, schwer zu stimmen, vielleicht eine gerissene Saite: dann ist es Zeit für einen frischen Satz. Gitarrensaiten zu wechseln ist mit etwas Ruhe in einer halben Stunde erledigt und gelingt auch Anfängern. Diese Anleitung führt dich Schritt für Schritt durch den Saitenwechsel und behandelt beide Steg-Systeme, denn genau hier unterscheiden sich Western- und Konzertgitarre.
Der wichtigste Unterschied vorab: Die Westerngitarre hat Stahlsaiten mit einem Kügelchen am Ende (Ball-End), die mit Stegpins am Steg fixiert werden. Die Konzertgitarre hat Nylonsaiten ohne Kügelchen, die am Knoten-Steg verknotet werden. Welche Saite auf welche Gitarre gehört und welche Stärke passt, klären unsere Ratgeber zur Saitenwahl im Detail. Hier geht es um das saubere Aufziehen.
01Werkzeug und Vorbereitung
Viel brauchst du nicht. Eine Saitenkurbel beschleunigt das Auf- und Abwickeln an der Mechanik spürbar, ein Seitenschneider kürzt die Saitenenden sauber, und ein Stimmgerät ist Pflicht. Bei der Westerngitarre hilft ein kleiner Stegpin-Heber, falls die Pins fest sitzen, zur Not tut es auch das Loch in vielen Saitenkurbeln.
Wechsle die Saiten einzeln, eine nach der anderen, nicht alle auf einmal. So bleibt die Zugspannung auf Hals und Steg gleichmäßig, der Hals verzieht sich nicht, und du verlierst die Reihenfolge nicht. Lege den passenden Satz und ein weiches Tuch bereit.


02Alte Saiten abnehmen
Entspanne zuerst die Saite, die du tauschen willst, indem du die Mechanik aufdrehst, bis die Saite locker durchhängt. Eine noch gespannte Saite kann beim Lösen zurückschnellen, das vermeidest du so. Wickle die Saite dann von der Mechanik ab.
Bei der Westerngitarre ziehst du nun den Stegpin nach oben heraus und nimmst die Ball-End-Saite aus der Bohrung. Bei der Konzertgitarre löst du den Knoten am Steg und ziehst die Nylonsaite heraus. Da du einzeln arbeitest, ist immer nur eine Position offen, der Rest der Gitarre bleibt unter Spannung. Wenn der Hals frei liegt, kannst du jetzt kurz Griffbrett und Steg mit einem trockenen Tuch abwischen.
03Westerngitarre: Saite mit Stegpin setzen
Nimm die neue Stahlsaite und stecke das Kügelchen am Ende voran in die Bohrung am Steg. Setze den Stegpin mit der Kerbe zur Saite hin wieder ein und drücke ihn fest nach unten. Ziehe die Saite gleichzeitig leicht nach oben, bis das Kügelchen von innen gegen die Stegplatte zieht und unter dem Pin klemmt. Sitzt der Pin nicht fest, springt er später unter Spannung heraus.
Führe die Saite straff zur passenden Mechanik. Lass an der Mechanik etwa eine Mechanik-Breite Spiel, damit du genug Saite für drei bis vier saubere Windungen hast, bevor du aufwickelst.

04Konzertgitarre: Saite am Steg knoten
Nylonsaiten haben kein Kügelchen, sie werden am Knoten-Steg verknotet. Führe das Saitenende von vorn durch das Loch im Steg, sodass hinten ein kurzes Stück übersteht. Lege dieses Ende über die Stegkante zurück nach vorn und führe es ein bis zwei Mal unter sich selbst hindurch, sodass eine Schlaufe entsteht.
Bei den dünnen, glatten Diskant-Saiten (G, H, E) machst du besser zwei bis drei Wicklungen, damit der Knoten unter Spannung nicht durchrutscht. Zieh den Knoten straff, bevor du Spannung aufbaust, er soll hinter der Stegkante sitzen. Führe die Saite dann zur Mechanik.


05An der Mechanik sauber aufwickeln
Führe das freie Ende durch das Loch der Stimmwirbel-Achse und halte etwas Spiel fest. Wickle die Windungen so auf, dass sie sich von oben nach unten ordentlich nebeneinander auf die Achse legen, nicht überkreuz. Saubere, eng liegende Windungen sind der Schlüssel zur Stimmstabilität, lose oder gekreuzte Windungen rutschen nach und verstimmen die Gitarre ständig.
Drei bis vier Windungen reichen. Spanne die Saite mit der Saitenkurbel langsam auf ungefähre Tonhöhe und kürze das überstehende Ende mit dem Seitenschneider, lass ein paar Millimeter stehen.
06Einspielen und nachstimmen
Neue Saiten dehnen sich und verstimmen sich anfangs nach unten, das ist normal und kein Mangel. Stimme die Gitarre, ziehe dann jede Saite vorsichtig ein paar Millimeter vom Griffbrett weg, um die Dehnung vorwegzunehmen, und stimme erneut. Wiederhole das ein paar Mal.
Wichtig zu wissen: Nylonsaiten brauchen deutlich länger als Stahlsaiten, bis sie stabil sind. Eine Westerngitarre ist oft nach wenigen Stunden Spiel eingestimmt, eine frisch besaitete Konzertgitarre kann mehrere Tage bis zu einer Woche nachgeben. In dieser Zeit einfach öfter nachstimmen, danach hält die Stimmung.
Ein Saitenwechsel ist Routine, sobald man ihn einmal gemacht hat. Mit dem richtigen Satz, einem sauberen Sitz am Steg und sauberen Windungen an der Mechanik klingt deine Gitarre wieder frisch. Bei der Konzertgitarre einfach etwas mehr Geduld in der Einspielphase einplanen.
Häufige Fragen
Soll ich alle Saiten auf einmal abnehmen?
Warum springt mein Stegpin immer wieder heraus?
Wie viele Windungen soll ich an der Mechanik aufwickeln?
Warum hält meine Konzertgitarre nach dem Wechsel so schlecht die Stimmung?
Welche Saiten und welche Stärke passen auf meine Gitarre?
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